Baumharz – so kannst Du es sammeln und verwenden

Ich war immer schon fasziniert von Baumharz. Seit mir eine Freundin davon erzählt hatte, dass sie daraus eine Salbe herstellt stand das auch auf meiner Liste weit oben. Es hat dann aber doch noch zwei Jahre gebraucht ehe ich mich getraut habe, es einfach auszuprobieren.

Baumharz – was ist das überhaupt?

Harz ist ein klebriger, zähflüssiger Saft, den der Baum absondert, wenn er verletzt ist. Das passiert beispielsweise, wenn Äste abreißen oder die Rinde angeritzt wird. Mit dem Harz verschließt der Baum seine Wunden. Es ist sozusagen wie ein Pflaster das verhindert das sich Pilze oder andere Krankheitserreger einnisten und den Baum schwächen können.

Ein kurzer Blick in die Geschichte

Harz als Naturheilmittel war bereits den alten Ägyptern bekannt. Sie nutzten es zur Einbalsamierung ihrer Toten. Da es antibakteriell wirkt, sollte es die Leichname konservieren. Baumharz wird unter anderem auch als „Gold des Waldes“ bezeichnet. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts gab es die sogenannten Harzer oder auch Pechsieder. Ein Berufsstand, den es heutzutage nicht mehr gibt, der aber historisch gesehen auf eine lange Tradition zurückblicken kann. Damals wurden zur Gewinnung von Baumharz („Harzen“) vor allem Nadelbäume wie Kiefern und Lärchen verwendet. Es gab zwei verschiedene Arten des Harzens. Zum einen die Scharrharzgewinnung und zum anderen die Flussharzgewinnung. Bei Ersterer brach man einfach das bereits erstarrte Harz von natürlich entstandenen Wunden an den Bäumen ab. Bei der Flussharzgewinnung dagegen wurden absichtliche Verletzungen der Rinde (beispielsweise durch Anbohren oder Anritzen) herbeigeführt und das austretende Harz in einem Behälter gesammelt. Der Nachteil dabei war jedoch, dass die Bäume so schwer verletzt wurden das sie oftmals an der Stockfäule erkrankten und abstarben. Aus der Mitte des 17. Jahrhunderts ist das „Pechlermandat“ bekannt das erlassen wurde, um eine schonende Gewinnung des Harzes zu gewährleisten und damit dem Absterben der verletzten Bäume entgegenzuwirken. Heutzutage spielen die natürlichen Harzprodukte kaum noch eine Rolle. Stattdessen wurde Naturharz bereits seit Mitte des 20. Jahrhunderts zunehmend durch Kunstharz ersetzt.

Harz von Tannen- und Laubbäumen

Wenn Du Baumharz sammeln und verwenden möchtest halte Dich besser an das Harz von Nadelbäumen. Es ist zäh, klebrig und hat eine starke Heilwirkung. Daher wird es auch für die meisten Anwendungen empfohlen. Laubbäume, sondern ein eher flüssiges und schwach aromatisches Harz ab. Als ich auf der Suche nach Baumharz war, habe ich tatsächlich keinen einzigen Laubbaum mit Harz entdeckt.

Wo ist Baumharz zu finden?

Ich bin einfach in ein Wäldchen mit vielen Nadelbäumen hier bei uns in der Nähe gegangen und habe mich dort auf die Suche gemacht. Vielleicht gibt es bei Dir in der Nähe ebenfalls so ein Wäldchen? Wenn Du weißt, dass ein solchen Waldstück in Privatbesitz ist und wem es gehört gehe am besten zum Besitzer und frage höflich um Erlaubnis. Halte die Augen offen nach Verletzungen an der Rinde. Manchmal hängen Harztropfen auch an den Zapfen mancher Bäume. An Baumstümpfen kann ein Blick ebenfalls lohnen da auch dort Harz austreten kann. Dieses Harz kannst Du bedenkenlos entfernen denn der Baum benötigt es natürlich nicht mehr.

Der beste Zeitpunkt zum Sammeln

Im Prinzip kannst Du Harz das ganze Jahr über sammeln. Zu empfehlen ist es aber vor allem im Herbst und Winter. Die Gründe dafür? Zunächst ist es für Dich wesentlich einfacher das Harz überhaupt zu entdecken, weil es dann (wenn überhaupt) nur von wenig Grün verdeckt wird. Außerdem (und das ist für mich persönlich der wichtigere Grund) ist dann die Brut- und Setzzeit der Tiere vorbei. Sei rücksichtsvoll und störe oder schrecke die Tiere (darunter beispielsweise Vögel und Rotwild) während dieser Zeit nicht auf.

So sammelst Du Baumharz richtig

Zum Sammeln selbst brauchst Du eigentlich nicht viel. Ein kleines Schraubglas und (wenn Du möchtest) ein kleines robustes Messer das nicht scharf ist. Eigentlich reichen aber Deine Hände. Zunächst einmal ein ganz wichtiger Hinweis:

Bitte verletze keine Bäume absichtlich damit Harz austritt!

Manchmal hat man Glück und findet sehr viel Harz an einem Baum aber meist sind es nur größere oder kleinere Harztropfen die an der Rinde hängen. Diese lassen sich ganz leicht mit den Fingern abbrechen. Bitte beachte weiterhin, dass Du nur Harz an Dich nimmst, das bereits vollkommen ausgehärtet ist und sich leicht vom Baum lösen lässt. Pass bitte auch darauf auf das Du nur so viel Harz wegnimmst, das die Wunden des Baumes weiterhin verschlossen bleiben und nicht wieder aufreißen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass in die Verletzungen Krankheiten wie Stockfäule und Ungeziefer eindringen.

Alles in allem gilt also: Sei achtsam mit den Bäumen. Anstatt von einem Baum viel zu nehmen, nimm lieber ein bisschen von mehreren Bäumen.

Harzreste an Deinen Händen und Materialien kannst Du mit Pflanzenöl entfernen.

So bewahrst Du Baumharz richtig auf

Zu Hause kannst Du das Harz zum Beispiel auf einem Teller oder einem Brett ausbreiten und an einem warmen Ort trocknen. Wenn Du es in Schraubgläser füllen und länger aufbewahren willst gehe sicher, dass es vollständig getrocknet ist. Manchmal sind Pflanzenteile im Harz eingeschlossen und diese können (wenn das Harz nicht vollkommen trocken ist) schimmeln. Kleiner Tipp am Rande, wenn sich das Harz nicht aus Deinem Schraubglas lösen lässt: Stell das Glas in den Gefrierschrank, dadurch wird das Harz spröde.

Verwendungen für Baumharz

Baumharz ist vielseitig einsetzbar. Am häufigsten wird es aber zur sogenannten Pechsalbe verarbeitet. Diese kann unter anderem bei Muskel- und Gelenkschmerzen, Erkältung, unreiner Haut, Sonnenbrand und Holzsplittern (als Zugsalbe) verwendet werden.

Ein weitere Verwendungsmöglichkeit ist das Räuchern. Harz hat einen, wie ich finde, wunderbar erdigen Duft. Weihrauch und Myrrhe sind ebenfalls Baumharze und sicher die bekanntesten Vertreter beim Thema Räuchern. Du musst also gar nicht den teuren Weihrauch kaufen, sondern kannst einfach etwas Harz selbst sammeln und verräuchern.

Weißt Du was die Menschen der Steinzeit, die Ägypter, Maya und wir heute gemeinsam haben? Kaugummi! In unserem Fall ist er aus synthetischem Kautschuk und Kunstharzen hergestellt, früher haben die Menschen einfach verschiedene Baumharze gekaut. Unter Holzfällern beispielsweise kannte man Fichtenharz lange als „Kaupech“.

Du könntest also auch heute in den Wald gehen und Fichtenharz kauen. Hierbei gibt es natürlich auch wieder einige Dinge zu beachten.

Frisches Harz ist nicht zum Verzehr geeignet! Die Konsistenz sollte nicht zu fest und nicht zu weich sein. Unbedenklich ist das Harz dann, wenn es eine rötlich-goldene Färbung aufweist. Beiße das Stück Harz nicht sofort durch, sondern lasse es eine Weile im Mund „aufweichen“. Danach kannst Du es fester kauen und dann ist es wie ein normaler Kaugummi.

Harz- oder auch Pechsalbe selbst herstellen

Harzsalbe im flüssigen Zustand

Und wie kannst Du jetzt Deine eigene Harzsalbe herstellen? Eigentlich ist das ziemlich einfach.

 

 

 

 

Das brauchst Du:

– 100 ml Olivenöl
– 30 g Fichtenharz
– 10 g Bienen- oder Beerenwachs

Du kannst (falls Du eines hast) ein Stövchen verwenden. Einfach ein Teelicht darunter und ein Töpfchen oben drauf. So erhitzt Du Dein Harz schonend und die wertvollen ätherischen Öle gehen nicht verloren. Arbeite aus diesem Grund mit möglichst niedrigen Temperaturen! Die Salbe ist wegen ihrer konservierenden Wirkung mindestens zwei Jahre lang haltbar.

Ich habe mich mit Beerenwachs für eine pflanzliche Alternative zum Bienenwachs entschieden. Zudem fettet Beerenwachs nicht so sehr wie Bienenwachs auf der Haut was mir besser gefällt. Verwenden kannst Du aber beides! Hier entscheidet Deine persönliche Vorliebe.

Das hier ist lediglich ein Grundrezept. Du kannst, falls Du möchtest auch noch verschiedene ätherische Öle dazugeben. Je nach Verwendungszweck variieren diese. Hier hast Du ein paar Beispiele:

Für Erkältungskrankheiten kannst Du Öle wie Thymian, Mandarine oder Zitrone dazugeben.
Bei unreiner Haut nutze Teebaumöl.
Gegen Sonnenbrand hilft Pefferminzöl.

Rühre 3-5 Tropfen Deines gewählten ätherischen Öls in die Salbe ein, wenn sie handwarm ist.

Abgekühlte und fest gewordene Harzsalbe

  1. Gib das Olivenöl und das Harz gemeinsam in Dein Behältnis und schmelze es unter Rühren. Das Harz löst sich nicht komplett auf, es bleiben meistens ein paar Bröckchen übrig. Das macht aber nichts. Nimm sie heraus wenn sie Dich stören. Du kannst sie wieder aushärten lassen und zum Räuchern verwenden.
  2. Das verflüssigte Gemisch gibst Du durch ein feines Sieb in ein zweites Behältnis.
  3. Gib jetzt das Wachs zu Deinem Öl-Harz-Gemisch und erwärme das Ganze bis sich das Wachs vollständig aufgelöst hat.
  4. Verrühre das Ganze nochmals gut und fülle es in ein sauberes Schraubglas.
  5. Lasse die Salbe offen auskühlen.
  6. Beschrifte Dein Schraubglas mit dem Namen der Salbe und dem Datum der Herstellung.

Bevor Du die Salbe anwendest noch ein kleiner Hinweis: 
Harze enthalten viele ätherische Öle die unter Umständen zu allergischen Hautreaktionen führen können. Deshalb probiere die Salbe erst einmal an einer Stelle (zum Beispiel dem Ellbogen) aus und schau ob Deine Haut sie auch verträgt. 

Ich hoffe, ich habe Dir hiermit einige Fragen beantwortet und wünsche Dir ganz viel Spaß beim Ausprobieren!


Hättest Du gedacht das Baumharz so vielseitig ist? Welche Erfahrungen hast Du damit vielleicht schon gemacht? Verrate es mir sehr gerne in den Kommentaren! ↓

 

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