Schneckenalarm im Garten – Alles, was Du wissen musst

Jeder Gärtner kennt sie und mit ihnen die Verzweiflung über zerfressene Pflanzen die einem bisweilen jeden Spaß am gärtnern verderben können.

Natürlich geht es um die ungeliebten Schnecken. Als Schädlinge verschrien die es unbedingt zu vernichten gilt um den Schaden im eigenen Beet so gering wie möglich zu halten, haben sie doch auch ihre guten Seiten.

Das klingt jetzt vielleicht erst einmal paradox für Dich, ist aber durchaus wahr.

Vorallen Dingen gilt es zu unterscheiden. Denn Schnecke ist eben nicht gleich Schnecke. Und Schnecke bedeutet auch nicht zwangsläufig böser Schädling.

Am bekanntesten dürfte neben der Weinbergschnecke vermutlich die sogenannte Spanische Wegschnecke (umgangssprachlich auch Nacktschnecke genannt) sein.

Und mit ihr fangen wir an!

Spanische Wegschnecke (Nacktschnecke)

Spanische Wegschnecke/Nacktschnecke

Ihr Name deutet bereits auf ihre scheinbare Herkunft hin. Lange Zeit glaubten Wissenschaftler die Nacktschnecke sei nach dem Zweiten Weltkrieg mit spanischen Obst- und Gemüseimporten in Deutschland eingeschleppt worden. Diese Theorie wurde allerdings in den letzten Jahren immer häufiger in Zweifel gezogen. Inzwischen hat ein wissenschaftliches Team der Goethe-Universität sowie des Biodiversität- und Klimaforschungszentrums anhand von hunderten DNA-Analysen belegt, dass die Spanische Wegschnecke definitiv bei uns heimisch und somit auch keine invasive Art ist. Der Irrtum sei dem Umstand geschuldet, dass auf der Iberischen Halbinsel Tiere mit ähnlichen Geschlechtsorganen gefunden wurden.

Die Nacktschnecke hat einige geniale Eigenschaften an sich die es ihr erlauben sich explosionsartig zu vermehren und so in manchem Garten zur Plage zu werden. Zunächst einmal lebt sie (im Gegensatz zur Weinbergschnecke) nur ein Jahr. Deshalb kann sie ihre gesamte Energie in eine Vielzahl von Eiern (200-400) investieren. Die neuen Nacktschnecken schlüpfen entweder im Spätherbst oder nach Ende des Winters im Februar/März. Das bedeutet die Eier sind absolut kälteresistent und gehen nicht, wie Du vielleicht gehofft hast, über den Winter kaputt. Zudem ist sie, im Gegensatz zu anderen Schneckenarten, vergleichsweise wenig empfindlich was Trockenheit betrifft. Übrigens ernährt sich die Spanische Wegschnecke nicht nur von Pflanzenteilen sondern auch von Aas. Dazu zählen beispielsweise auch andere tote Nacktschnecken.

Weinbergschnecke

Weinbergschnecke

Etwas mehr Wohlwollen bei uns genießt die Weinbergschnecke. Hast Du die hübschen leeren Häuschen als Kind gesammelt wenn Du sie gefunden hast? Ich schon!

Die Weinbergschnecke ist unsere größte Land-Gehäuseschnecke. Ihr Häuschen kann bis zu 5 cm hoch werden. Zu finden ist sie nicht unbedingt (wie ihr Name vermuten lässt) in Weinbergen. Stattdessen trifft man sie häufig an Wegrändern, Hecken, Gebüschen, in lichten Wäldern oder eben auch im eigenen Garten. Besonders lieb ist ihr kalkreicher Boden. Was sie von anderen Schnecken unterscheidet ist nicht nur ihr Häuschen sondern die Tatsache, dass sie auch am Tag aktiv ist. Bevorzugt bei Regen und bewölktem Himmel. Sie frisst besonders gerne und vorwiegend welkende Pflanzenteile, verschmäht aber (zum Leidwesen mancher) auch grüne nicht. Trotzdem fällt sie als „Schädling“ kaum ins Gewicht. Das gilt übrigens für die meisten Gehäuseschnecken. Im Gegensatz zur Spanischen Wegschnecke lebt die Weinbergschnecke mehrere Jahre und legt deshalb längst nicht so viele Eier ab.

Was sie Dir allerdings sympathisch machen dürfte ist die Tatsache das sie die Eigelege der Spanischen Wegschnecke frisst.

Und im Übrigen steht die große Weinbergschnecke unter Naturschutz!

Interessant in diesem Zusammenhang: Im Labor unter optimalen Lebensbedingungen können Weinbergschnecken nachweislich mehr als 30 Jahre alt werden. In der Natur werden sie freilich nicht so alt. Oder es dürfte zumindest höchst selten der Fall sein.

Wusstest Du, dass die Weinbergschnecke in der Lage ist ihr Haus im Fall einer Beschädigung (beispielsweise wenn Du versehentlich darauf getreten bist) selbst zu reparieren? Das gelingt ihr durch Kalk bildende Drüsen. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Beschädigung nicht zu schwer und reparabel ist da sich die inneren Organe der Schnecke im Haus befinden.

Tigerschnegel

Tigerschnegel

 

 

 

 

 

 

 

Der Tigerschnegel ist mit seiner außergewöhnlichen Musterung die auffälligste der hier vorgestellten Schneckenarten. Er ist ein Freund der Nacht und schleicht bevorzugt in dieser durch Gärten, Felder und Beete. Und ganz ehrlich: Er ist auch Dein Freund! Glaubst Du nicht? Dann lies jetzt besonders aufmerksam. Die Leibgerichte des Tigerschnegels sind nämlich nicht nur Pilze sondern auch totes (!) Pflanzenmaterial. Und das ist noch nicht das Beste an seinem Speiseplan. Er jagt bisweilen nämlich auch die Spanische Wegschnecke und lässt sie sich schmecken. Und zwar nicht erst wenn sie schon tot (also Aas) ist. Zwar ist er ein Artgenosse der Nacktschnecke aber anscheinend liegt ihm nicht sonderlich viel an seiner Verwandtschaft. Der ein oder andere kann das vielleicht nachvollziehen…auch wenn der Mensch seine manchmal bucklige Verwandtschaft kaum zu verspeisen pflegt.

Wenn er Dich also in Deinem Garten besucht, freue Dich darüber!

Vorteile der Schnecken

Am Anfang des Artikels habe ich geschrieben die Schnecken seien nicht nur Schädlinge sondern hätten auch ihre guten Seiten.

Wahrscheinlich fragst Du Dich welche genau das sein sollen.

Zunächst einmal fressen Schnecken auch verwesende Pflanzenteile und tote Tiere und machen sich so durchaus nützlich. Außerdem zersetzen sie Pflanzenreste und beteiligen sich so aktiv an der Humusbildung die sich wiederum gut auf Deinen Boden und damit auf Deine Pflanzen auswirkt. Das gilt auch für die ungeliebte und oftmals verhasste Spanische Wegschnecke. Die Schnecken sind sozusagen der Gesundheitsdienst in Deinem Garten!

Was Du tun kannst

Die Liste der Hilfsmittel um Schnecken loszuwerden ist schier endlos. Die einen schwören auf Kaffeesatz, die nächsten auf Bierfallen oder das altbekannte Schneckenkorn.

Die gute Nachricht: Du kannst schon vorbeugend tätig werden!

Gießen

Dazu zählt z.B. das gießen. Das solltest Du am besten nicht abends sondern frühmorgens erledigen. Warum? So können die nachtaktiven Schnecken die Feuchtigkeit nicht mehr für die Fortbewegung und Nahrungssuche ausnutzen. Falls Du kannst verzichte außerdem auf flächendeckende Bewässerung. Besser ist es wenn Du die Pflanzen einzeln und kräftig gießt. Der Vorteil davon? Die Schnecken haben keine großen zusammenhängenden feuchten Flächen mehr auf denen sie sich mühelos fortbewegen können.

Natürliche Fressfeinde

Was meiner Meinung nach am besten gegen gefräßige Schnecken hilft ist die Förderung ihrer natürlichen Fressfeinde. Dazu zählen u.a. Igel, Spitzmäuse, Kröten, Blindschleichen, Amseln, Stare und Elstern. Die Eigelege und Jungschnecken stehen auf dem Speiseplan von Laufkäfern und ihren Larven, Glühwürmchen und deren Larven sowie Hundertfüßlern. Gestalte Deinen Garten so, dass sich diese Tiere bei Dir ansiedeln. Damit sparst Du Dir nicht nur Arbeit und Ärger sondern stellst auch ein gesundes Gleichgewicht der Natur wieder her. Halte Dir vor Augen: Wenn die Natur auf sich selbst gestellt ist reguliert sie sich auch von selbst. Ein übermäßiges Vorkommen von Nacktschnecken kann also durchaus auch ein wichtiger Hinweis auf ein Ungleichgewicht (insgesamt gesehen) sein.

Sollte Dir all das nicht möglich sein oder Du trotzdem eine Schneckenplage haben gibt es natürlich weitere Maßnahmen.

Kaffeesatz

Wissenschaftlich bewiesen ist inzwischen die Wirkung von Kaffesatz. In geringer Konzentration ausgebracht hält er die Schnecken vom Fressen ab und vertreibt sie. In hoher dagegen wirkt es tödlich da das Koffein vermutlich einem Nervengift gleichkommt. Du kannst den Kaffeesatz entweder großflächig ausstreuen oder ringförmig um Deine Pflanzen ausbringen.

Schneckenzaun

Eine etwas teurere aber dafür nachweislich wirksame Methode sind die sogenannten Schneckenzäune. Der Trick hierbei ist das abgewinkelte Profil das die Schnecken nicht überwinden können. Natürlich solltest Du darauf achten, dass sich keine Schnecken innerhalb des Zauns befinden wenn Du ihn anbringst. Sie sollten ungefähr zehn Zentimeter tief im Boden verankert sein und genauso hoch über den Boden ragen. Achte auch unbedingt darauf das Dein Zaun frei steht und keinen Kontakt mit Deinen Pflanzen oder Gras hat.

Absammeln

Ein wirksamer Klassiker ist nach wie vor das systematische Absammeln. Dafür kannst Du Holzlatten, Dachziegel oder umgedrehte Blumentöpfe zwischen Deine Beete legen oder stellen. Die Schnecken werden sich darunter sammeln. Die beste Zeit zum Absammeln ist spät abends oder nach einem Regen früh morgens. Eine relativ schnelle und schmerzlose Art die Schnecken zu töten ist, sie mit einer Gartenschere druchzuschneiden. Das ist eklig aber effektiv. Des Weiteren gibt es noch die Möglichkeiten die Schnecken mit kochendem Wasser zu übergießen oder aber weit weg von Deinem Garten am besten auf einem unbebauten Stück Land auszusetzen.

Enten/Hühner

Zu guter Letzt gibt es immer noch die Möglichkeit Dir Enten oder Hühner anzuschaffen. Das lohnt sich allerdings nur wenn Du einen großen Garten hast und natürlich in der Lage bist die Tiere artgerecht zu halten. Überlege Dir das bitte gut denn Enten und Hühner machen genauso Arbeit wie andere Tiere die, zu welchem Zweck auch immer, gehalten werden. Besonders geeignet sind hierfür indische Laufenten und Khaki-Campell-Hühner.

Bierfallen

Davon möchte ich Dir persönlich dringend abraten.

Mit einer Bierfalle lockst Du zwar die Schnecken an aber erstens nicht nur „Deine“ sondern vielleicht auch die aus Nachbars Garten. So kann es also leicht passieren, dass Dein Versuch die Schnecken loszuwerden sich ins Gegenteil verkehrt. Abgesehen davon fallen die wenigsten Schnecken auch tatsächlich in die Bierfalle hinein. Falls Du eine Bierfalle doch verwenden möchtest denke bitte an die übrigen Gartenbewohner und grabe sie nicht ebenerdig ein. So wirst Du nämlich viele (auch nützliche) Insekten verlieren.

Schneckenkorn

Ganz ehrlich? Ich bin absolut kein Fan von Schneckenkorn und rate jedem dazu, es nicht zu verwenden.

Warum das so ist?

Erstens tötet Schneckenkorn nicht nur die ungeliebten Nacktschnecken sondern auch die nützlichen Arten wie die Weinbergschnecke und den Tigerschnegel. Nützlinge und natürliche Fressfeinde wie Igel können die vergifteten Schnecken fressen und daran sterben. Zudem kann Schneckenkorn auch für uns Menschen (insbesondere Kinder) gefährlich werden. Genauso übrigens wie für Haustiere wie Hund und Katze. Für Kinder sehen die blauen Kügelchen vielleicht wie Zuckerperlen aus die man naschen kann. Reizungen des Magen-Darm-Traktes, hohes Fieber, Muskelkrämpfe bis hin zum Koma (im schlimmsten Fall) sind mögliche Folgen. Die Bitterstoffe im Schneckenkorn verhindern normalerweise, dass ein Kind davon zu viel isst. Haustiere lassen sich davon aber nicht unbedingt aufhalten. Sollte dieser Fall einmal eintreten gilt in beiden Fällen: Such bitte umgehend einen Arzt auf!

Es gibt unterschiedliche Arten von Schneckenkorn. Manche sind tödlich für die Schnecken, andere enthalten nur Fraßhemmer oder vetreiben die unliebsamen Besucher. Denke aber auch daran, dass die Inhaltsstoffe im Schneckenkorn auf dem ein oder anderen Weg auch immer in den Boden gelangen.

Solltest Du doch Schneckenkorn verwenden wollen rate ich Dir zu folgenden die von Öko-Test mit sehr gut bewertet wurden:

Neudorff Ferramol Schneckenkorn und Aries Schneckenkorn Granulat.

Es gibt ein weiteres Schneckenkorn das dieselbe Bewertung erhalten hat. Dieses ist allerdings vom riesigen Konzern Bayer. Ich spreche mich hier ganz bewusst nicht dafür aus. Bayer gehört für mich in die gleiche Kategorie wie Monsanto und beide Firmen boykottiere ich ganz entschieden.

Ich empfehle Dir vorbeugend zu handeln oder eine der Maßnahmen weiter oben auszuprobieren. Wenn alles nichts hilft kannst Du immer noch aufs Schneckenkorn zurückgreifen.

In diesem Sinne: Viel Erfolg!


Welche Erfahrungen hast Du bislang mit Schnecken gemacht? Verrate es uns in den Kommentaren!

 

 

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