Löwenzahn – wiederentdecktes Multitalent

Jeder kennt ihn aber nicht von allen wird er auch gemocht oder geliebt. Gerade im Garten, den Beeten oder der Auffahrt macht er sich gerne breit und daher vielerorts unbeliebt. Und so nennt man ihn hier bei uns beinahe als Erstes wenn es um lästiges Unkraut geht.

Warum er sich so schwer bekämpfen lässt kannst Du hier nachlesen.

Aber ist das der Löwenzahn wirklich? Oder steckt mehr in ihm als ein ungeliebtes oder sogar verhasstes „Unkraut“?

Kinder beispielsweise lieben ihn wegen seiner herrlich gelben Farbe und natürlich als Pusteblume. Wie oft hast Du als Kind die Samen des Löwenzahns fliegen lassen und Dir dabei ganz fest etwas gewünscht? Ich habe das im Sommer jeden Tag Tag gemacht. Und es war toll!

Löwenzahn ist schon seit jeher
als höchst kriegerisch verschrien,
denn er lässt bei gutem Winde
Fallschirmtruppen feindwärts ziehn.

Und ich sitz auf der Veranda
und verzehre meine Suppe
und entdecke in der selben
zwei Versprengte dieser Truppe.

  • Heinz Erhardt

 

Aber zuerst ein kleiner Rückblick in seine Geschichte…

Der Löwenzahn und seine Geschichte

Heute ist der Löwenzahn auf der ganzen Welt verbreitet aber seinen Ursprung hatte er wohl auf der Nordhalbinsel. Seine genaue Heimat liegt vermutlich in Zentralasien von wo aus er sich ausbreitete.

Löwenzahn findet sich besonders häufig am Rand von landwirtschaftlich genutzten Flächen, Nutztierweiden, brachliegenden Äckern oder auch in Parkanlagen. Er wächst teilweise allerdings auch im Hochgebirge auf über 2.500 m Höhe.

Ein wahrer Überlebenskünstler!

Der Volksmund hat ihm viele Namen gegeben wie Butterblume, Kuhblume oder auch Wiesen-Löwenzahn.

Erstmals schriftlich erwähnt wurde er im 15. Jahrhundert von Bernhard von Breidenbach der ihn in seinem Buch als „Phaffenkrudt“ beschrieb.

1485 tauchte er dann auch im Buch „Gart der Gesundheit“ sowie 1588 im „Neuw Kreuterbuch“ auf.

Löwenzahn in der Heilkunde

Auch als Heilpflanze wird er schon lange verwendet und geschätzt.

Er enthält neben gesunden Bitterstoffen, Flavonoiden und Schleimstoffen auch Mineralstoffe. Daher eignet er sich u.a. zur Anwendung bei Ekzemen, Rheuma, Blähungen, Appetitlosigkeit oder Verdauungsbeschwerden. Medizinisch wird er als Tee angewandt. Dieser wird jedoch nicht über einen Zeitraum von 6-8 Wochen hinaus getrunken.

Löwenzahn kaufen – geht das?

Das geht. Dazu möchte ich Dir auch raten wenn Du von Wildkräutern noch keine Ahnung hast denn es gibt immer einiges zu beachten wenn Du selbst sammelst.

Oder schließe Dich jemandem an der Ahnung hat. Vielleicht hast Du eine Kräuterhexe in Deinem Freundes- und Bekanntenkreis.

Im Handel gibt es Löwenzahnblätter (z.B. für den Salat) oder auch ganz normale Löwenzahnpflanzen zu kaufen. Zum Beispiel hier. ABER: Löwenzahn ist nicht gleich Löwenzahn. Es gibt viele unterschiedliche Arten. Manche davon eignen sich zum Verzehr, andere weniger. Deshalb achte beim Kauf unbedingt auf die botanische Bezeichnung. Wenn diese Taraxacum officinalis lautet bist Du auf der sicheren Seite. Als officinalis dürfen sich nämlich ausschließlich Heilpflanzen bezeichnen.

Du kannst inzwischen auch Saatgut von sogenanntem Kultur-Löwenzahn beziehen der direkt für den Einsatz in der Küche gezüchtet wurde und weniger Bitterstoffe enthält.

Es gibt auch Löwenzahnsaft für Leiden wie Magen- und Darmerkrankungen der Dir zwar Linderung verschaffen kann aber aufgrund seiner Bitterstoffe bestimmt nicht Dein Lieblingsgetränk wird. Das nur als kleine Warnung am Rande.

Löwenzahn in der Küche

Salat, Eintopf, Marmelade, Suppe, Aufstrich…um nur einige der Verwendungsmöglichkeiten zu nennen.

Vorallem bei Selbstversorgern und Wildkräuterliebhabern genießt der Löwenzahn einen hervorragenden Ruf und findet vielfache Verwendung.

Wusstest Du, dass man aus Löwenzahn sogar Honig machen kann?

Löwenzahn als Rohstofflieferant

Was haben Autoreifen, Radiergummi und Schnuller gemeinsam?

Sie bestehen aus vulkanisiertem Kautschuk. Oder, anders gesagt, aus Gummi. Die Nachfrage nach Naturkautschuk steigt immer weiter doch wegen eines schädlichen Pilzes und der Gefährdung des Regenwaldes kann man die bekannten Gummibäume nicht in Plantagen anbauen.

Die Lösung? Löwenzahn. Genauer gesagt: Russischer Löwenzahn.

Löwenzahnpflanzen produzieren Milchsaft, der in seinen Eigenschaften denen des gewonnenen Latex vom Gummibaum gleicht. Der russische Löwenzahn lässt sich bei gemäßigten Temperaturen anbauen, zum Beispiel also hier bei uns in Deutschland. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Milchsaft aus den Wurzeln schon nach wenigen Monaten geerntet werden kann. Beim Gummibaum vergehen erst einmal mehrere Jahre bis man das erste Mal ernten kann. Bislang sind auch keine allergerische Reaktionen auf Löwenzahn-Latex bekannt. Krass, oder?

Löwenzahn für Kinder

Das Märchen vom Löwenzahn

Text: Suse Anthony

Auf einer wunderschönen Frühlingswiese streckte ein Löwenzahn seinen Blütenstern der Sonne entgegen.  Am Morgen begrüßte er mit seinem strahlenden Lächeln den neuen Tag, und wenn die Dämmerung über das Land zog, kuschelte er sich in seinen grünen Blütenkelch und schlief ein. Viele Freunde und Freundinnen wuchsen um ihn herum und jeden Morgen begrüßten sie einander mit einem fröhlichen Lachen. Eines Tages setzte sich ein zarter, bunter Schmetterling mitten in den Blütenstern.

Das kitzelte den kleinen Löwenzahn und machte ihn ganz kribblig. „Wo kommst denn du her?“ fragte er den Schmetterling. „Du hast ja keinen Stängel und keine Wurzel? Ich sehe nur ganz wunderschöne Blütenblätter. Was für eine eigenartige Blume bist du bloß?“ „Ich bin aber keine Blume!“ rief der Schmetterling ganz entrüstet. „Ich brauche keinen Stengel und keine Wurzel. Ich kann fliegen!“
Der Löwenzahn wurde ganz aufgeregt, wackelte mit seinem Stengel, zupfte leicht an seiner Wurzel und war sehr froh, als er spürte, dass sie so fest in der Erde steckte. „Was ist denn das – Fliegen?“ fragte er den kleinen Gaukler auf seiner Blüte. „Etwas ganz Herrliches! Ich flattere einfach mit meinen Flügeln hin und her und lasse mich durch die Luft tragen. So kann ich überall sein, wo es mir gefällt. Weißt du, da draußen auf der Wiese gibt es noch so viele schöne Blumen – rote, blaue, violette, gelbe. Wo es mir Spaß macht, kann ich mich niederlassen. Ich kann eine schöne Blüte küssen, süßen Nektar trinken, Geschichten erzählen und dann wieder weiterfliegen. Es ist ein herrliches Leben! Wie muss es doch für dich so langweilig sein, immer am selben Platz zu stehen und immer dieselben Blumen zu sehen. Ha, wie schön ist doch die weite Welt! Leb wohl, vielleicht komme ich auch einmal wieder bei dir vorbei“ – und weg war der schöne, bunte Schmetterling. Nachdenklich schaute der Löwenzahn dem kleinen Falter nach.

Sollte es wirklich so schön sein in der weiten Welt? War seine Sonnenwiese nicht der allerschönste Platz? So grübelte er den ganzen Tag bis ihm die Nachtfee über sein Blütenköpfchen streichelte. Dann kuschelte er sich in seinen grünen Kelch und schlief ein.
Am nächsten Morgen plumpste ihm plötzlich eine dicke Hummel mitten ins Gesicht. „Guten Morgen, kleines Gelbes! Darf ich mich ein wenig bei dir ausruhen und mich an deinem Nektar laben?“ „Ich freue mich über deinen Besuch“, rief der kleine Löwenzahn, und wieder spürte er ganz aufgeregt das Kribbeln in seinem Stengel bis hinunter zur Wurzel. „Kommst du auch aus der großen, weiten Welt?“
„Na klar“, brummte die dicke Hummel, „viele Tage bin ich schon durch die Welt gebrummelt. Hinter der Wiese stehen große Obstbäume. Dort ist es schön! Was glaubst du wohl, wen ich dort treffe? Alle meine Verwandten und viele, viele Freunde! Bei dir wäre es mir zu langweilig. Ach, was muss das für ein armseliges Leben sein, immer am gleichen Platz zu stehen. Du tust mir wirklich leid. Adieu!“ Und mit großem Gebrumm summte die Hummel davon. An diesem Tag wurde die Sehnsucht im Herzen des kleinen Löwenzahns nach der großen, weiten Welt noch stärker, und als diesmal die Nachtfee seine Blütenblätter streichelte, sah sie ganz tief drinnen versteckt eine kleine Träne liegen.
Kaum war der kleine Löwenzahn am nächsten Morgen erwacht, sirrte eine Libelle heran und ließ sich in seiner Blütensonne nieder. Aufgeregt wippte sie mit ihrem Körper und hielt Ausschau nach einer Beute. So bemerkte sie überhaupt nicht, wie eine dicke Träne aus dem Kelch des Löwenzahns kullerte. „Kommst du auch von den Obstbäumen jenseits der Wiese?“, versuchte er ein kleines Gespräch zu beginnen. „Ich? Ich komme doch nicht von den Obstbäumen!“ rief sie entrüstet. „Schau doch meinen schillernden Leib und meine gläsernen Flügel an. Ich komme vom See! Dort wohne ich im Schilf, schwirre über das Wasser und kann darin – so oft ich will – mein Spiegelbild sehen. So weiß ich, wie schön ich bin.“ Sirr – war sie weg und hatte eine Fliege geschnappt.
Den ganzen Tag über dachte der Löwenzahn darüber nach, wie er wohl aussehen würde: Vielleicht so wie seine Schwestern und Brüder um ihn herum auf der Wiese, oder doch ganz anders? Nun zupfte er kräftiger an seiner Wurzel, aber sie hielt fest und ließ ihn nicht frei. Dieses Mal entdeckte die Nachtfee viele Tränen in seinem Blütenkelch und es überkam sie ein tiefes Mitleid. Behutsam streichelte sie jedes einzelne Blütenblättchen und unter ihrer zarten Hand verwandelten sie sich in duftige Schirmchen, so fein wie Spinnenweb und so leicht wie Flaum. „Nun kannst du fliegen, wohin du willst! Vor dir liegt die große, schöne Welt! Nun kann dich deine Wurzel nicht mehr festhalten“, flüsterte ihm die Nachtfee noch ins Ohr, bevor sie verschwand. Wie groß war sein Erstaunen, als er am anderen Morgen aufwachte. Wo war sein gelbes Blütenkleid geblieben? Er stand da in einem federleichten Tanzkleidchen und breitete stolz viele, viele Schirmchen aus. Er war ganz anders geworden. So leicht war ihm noch nie ums Herz gewesen. „Nimmt mich denn keiner mit?“ rief er. „Ich würde so gerne fliegen, schweben, gleiten!“ „Hui, hui, flieg mit mir um die Wette! Komm, komm!“ pfiff der Wind und wirbelte die Schirmchen hoch in die Luft.
Nun konnte sich der Löwenzahn über die ganze Welt verbreiten. Rauf und runter, kopfüber und kopfunter, über die Wiese weg, knapp an einem hohen Eichbaum vorbei und – oh Schreck – mit einem Schirmchen blieb er in einem Vogelnest hängen. So etwas hatte er noch nie gesehen. Fünf aufgerissene Schnäbelchen, die alle auf Futter warteten. Der kleine Löwenzahn kam aus dem Staunen nicht heraus. Um Nahrung brauchte er sich doch nie zu kümmern. Er hatte immer eine Wurzel gehabt. Aber nun – nun hatte er keine mehr.
Da warf ihn der Wind auf einen harten Stein und ließ ihn dort liegen. Es wurde kalt und der kleine Löwenzahn wurde durstig und müde. Aber da war niemand, der ihm etwas zu trinken geben konnte. Der Stein war starr und stumm und konnte ihm nicht helfen. Wie sehr sehnte sich nun der Löwenzahn nach einer Wurzel. Aber der Wind hatte ihn noch nicht vergessen. Noch einmal wirbelte er das Schirmchen hoch in die Luft, und noch einmal fühlte der Löwenzahn das beglückende Gefühl in sich, leicht und schwerelos zu sein. Er sah die ganze Pracht einer Sommerwiese unter sich und langsam ließ ihn ein zarter Lufthauch hinunter gleiten zur Erde.
Nun schmiegte er sich ganz fest in das warme Erdreich und wollte ganz darin versinken.

Zwar war es herrlich gewesen draußen in der Welt und er hatte wunderschöne Dinge erlebt. Aber nun wusste er, dass er ohne seine Wurzel nicht sein konnte. Er dehnte und streckte sich. Das Dehnen und Strecken schmerzte so sehr, dass er fast die Besinnung darüber verlor. Er fühlte, wie etwas in ihm zersprang. Aber in all dem Schmerz wuchs ihm langsam eine neue Wurzel. Ein neuer Stengel mit einer kleinen Knospe drängte dem Licht entgegen.

Du siehst also: Der Löwenzahn war lange Zeit zu Unrecht ein, sozusagen, verkanntes Genie. Vielleicht betrachtest Du ihn ja das nächste Mal anders als bisher.

Am Ende des Artikels findest Du ein leckeres Rezept für einen Salat mit Löwenzahn.


Wie steht es mit Dir? Magst Du den Löwenzahn oder ärgerst Du Dich oft über ihn, weil er dort wächst wo er nicht wachsen soll? War Dir bewusst wie viel der Löwenzahn eigentlich kann? Hinterlasse mir einen Kommentar, ich freue mich von Dir zu hören!

 

 

 

 

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Löwenzahn-Paprika-Salat mit Gänseblümchen
Portionen
Zutaten
Portionen
Zutaten
Rezept Hinweise

Wasche die Löwenzahnblätter und lasse sie abtropfen.

Jetzt wasche die Paprika und schneide sie in Würfel oder so wie Du sie magst.

Als Letztes wasche die Gänseblümchen und lasse sie ebenfalls abtropfen.

Gib alles bis auf die Gänseblümchen in eine Schüssel und vermische es.

Vermenge Salz, Pfeffer und Öl zu einer Salatsauce und gib sie mit in die Schüssel.

Abschließend bestreue den Salat mit den Gänseblümchenblüten.

Lass es Dir schmecken!

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