Pflanzen pikieren – was, warum, wann und wie eigentlich?

Wir sind mittendrin im neuen Gartenjahr! Vielleicht wird auch bei Dir der Platz zuhause allmählich etwas eng wegen der vielen ausgesäten Pflanzen wie Tomaten und Co. Wie das mit der Aussaat funktionieren kann habe ich Dir in einem früheren Artikel bereits erklärt. Falls Du ihn noch nicht kennst – hier entlang!

Hier soll es jetzt allerdings um das pikieren (also vereinzeln) Deiner Pflänzchen gehen.

Was bedeutet pikieren?

Der Begriff kommt aus dem Französischen. Dort heißt er „piquer“ und bedeutet übersetzt so viel wie „stechen“. Zu verdanken haben wir die Bezeichnung dem Militärjargon der Pikeniere aus dem 16. Jahrhundert. Die Bezeichnung wurde in den Gartenbau übernommen, weil in beiden Fällen ein Stab mit spitzem Ende zum Einsatz kommt.

Aber warum solltest Du Deine Pflänzchen pikieren?

Im Normalfall nutzt Du für Deine Samen eine gemeinsame Aussaatschale. Eine Weile nachdem die Samen gekeimt haben verändern sich dann aber zum einen die Ansprüche der Pflänzchen an die Erde. Zum anderen beginnen sie damit, sich die in der Aussaaterde enthaltenen Nährstoffe gegenseitig wegzunehmen. Aber nicht nur das. Sie konkurrieren auch um Licht, Platz und Wasser. Im Prinzip hast Du dann also zu viele Pflanzen auf zu wenig Erde. Deshalb pikierst Du sie.

Pikieren und vereinzeln – was ist der Unterschied?

Beim Pikieren setzt Du Deine Sämlinge mithilfe eines Pikierstabs in einzelne Töpfchen oder Multitopfplatten um.

Beim Vereinzeln pflanzt Du Deine Sämlinge von einer Multitopfplatte (ein Samen pro Töpfchen) in einzelne Töpfe um.

Und wie pikiere ich richtig?

Das ist im Grunde nicht sehr kompliziert. Trotzdem erfordert es eine gewisse Übung Deinerseits. Mach Dich also nicht verrückt wenn es Dir nicht gleich perfekt gelingt! Auch hier gilt wie so oft: Übung macht den Meister!

Du brauchst Anzuchterde, einen Pikierstab (alternativ z.B. Bleistift, Kugelschreiber, Löffelstiel), und Anzuchttöpfe. All das gekommst Du im Gartencenter.

  1. Befülle die Anzuchttöpfe mit der Erde und drücke diese leicht an.
  2. Befeuchte die Erde in der Aussaatschale etwas, das erleichtert es die Pflänzchen herauszunehmen.
  3. Alle Pflänzchen die nicht gesund sind kannst Du aussortieren. Das siehst Du z.B. daran wenn alle Blätter gelb verfärbt sind oder die Wurzeln nicht gesund weiß sondern bräunlich ist.
  4. Löse ein Pflänzchen vorsichtig aus der Erde indem Du es mithilfe Deines Pikierstabes von der Seite her heraushebelst.
  5. Bohre mit Deinem Pikierstab im neuen Topf ein tiefes und relativ schmales Loch in die Erde und setze Dein Pflänzchen vorsichtig hinein. Setze sie so tief, dass mindestens die Hälfte des Stengels in der Erde ist.
  6. Drücke die Erde um das Pflänzchen herum fest mit Deinem Pikierstab an.
  7. Achte darauf, dass die Wurzeln unter dem Pflänzchen bleiben. Wenn sie sehr lang sind kannst Du sie mit einem Messer oder Deinem Fingernagel etwas einkürzen. Das ist nicht weiter schlimm sondern regt das weitere Wurzelwachstum an.
  8. Ob Du richtig pikiert hast kannst Du ganz einfach testen. Nehme dafür den Stengel vorsichtig zwischen Deine Finger und ziehe daran. Spürst Du einen Widerstand hast Du die Pflanze erfolgreich pikiert. Wenn sie sich dagegen sehr leicht aus der Erde ziehen lässt pikiere sie besser noch einmal.
  9. Besprühe Deine pikierten Pflänzchen mit einer Sprühflasche bis die Erde gut feucht ist. Achte dabei darauf das Wasser nicht direkt auf die Pflanzen sondern auf die Erde zu sprühen.

Du siehst also – pikieren ist wirklich kein Hexenwerk.

Ein kleiner Tipp noch: Pikiere Deine Pflänzchen eine nach der anderen. Sie trocknen sehr schnell aus. Deshalb rate ich Dir davon ab, alle auf einmal aus der Erde zu lösen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Pikieren?

Sobald sich nach den Keimblättern die ersten richtigen Laubblätter zeigen. Grundsätzlich ist es empfehlenswert Deine Pflänzchen nicht zu spät zu pikieren um einen optimalen Wuchs zu sichern. Nach dem pikieren kannst Du damit anfangen Deine Pflänzchen langsam abzuhärten. Das kannst Du tun indem Du sie z.B. stundenweise ins Freie stellst. Allerdings nicht in Regen und pralle Sonne.

Muss ich alle Pflanzen pikieren?

Nein. Pflanzen wie Zucchini und Kürbis mögen das umsetzen nicht besonders. Sie kannst Du gleich ins Beet säen. Auch Gemüsearten wie Tomaten, Gurken und Erbsen kannst Du einzeln aussäen. Du kannst sie aber auch pikieren – wie Du magst. Wo das pikieren definitiv Sinn macht ist bei sehr feinem Saatgut wie z.B. Tagetes.

Viel Erfolg beim Pikieren!


Du hast immer noch Fragen, Anregungen oder Tipps? Rein damit in die Kommentare!

 

 

 

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