Ein „Unkraut“ stellt sich vor – Brennnessel

Die Brennessel gilt als eines DER Unkräuter schlechthin. Wo sie im Garten wächst wird sie oftmals verflucht und ausgerupft. Und wer von uns hat sich als Kind nicht immer wieder an ihr gebrannt und sie so zu meiden gelernt? Dabei ist die Brennessel alles andere als ein lästiges Unkraut. Ganz im Gegenteil. Eigentlich ist sie die Königin der Wildkräuter. Aber beginnen wir von vorne…

Geschichte

Im Lauf ihrer Geschichte hat sie viele Namen bekommen. Einige davon lauten Donnernessel, Große Nessel, Hanfnessel, Nettel und Saunessel. Sie ist eines der ältesten Heilkräuter der Menschheit und schon seit der Antike werden ihre Samen, Blätter und Wurzeln in medizinischer und kulinarischer Hinsicht verwendet. Und so ziemlich jeder Hobbygärtner dürfte Brennnesseljauche kennen. Ein ebenso simpler wie effektiver Dünger für Deine Pflanzen. Im Jahre 2005 wurde diese Jauche in Frankreich sogar verboten. Ein Dünger der schon seit Generationen verwendet wurde und wird, war auf einmal illegal. Selbst die mündliche Weitergabe über die Herstellung und Verwendung wurde damals staatlich untersagt. Im Falle eines Verstoßes gegen dieses Gesetz drohten Bußgelder bis 75.000 Euro und ein zweijähriger Aufenthalt im Gefängnis. Ich möchte Dir an dieser Stelle unbedingt eine Dokumentation dazu ans Herz legen. Klick hier.

Aberglaube

Wie bei den meisten Wildkräutern der Fall, sagte man in früheren Zeiten auch der Brennnessel jede Menge Mögliches und Unmögliches nach.

Im Mittelalter beispielsweise war es üblich Brennnesselsträuße am Haus aufzuhängen um Blitzschlag, böse Geister, Hexen und Dämonen abzuhalten. Zur Sonnenwende dagegen wurden Haus und Hof mit der Brennnessel ausgeräuchert um Krankheiten fernzuhalten. Fünf Nesselblätter in der Hand zu halten, so glaubten die Menschen des Mittelalters, helfe dabei einen kühlen Kopf zu bewahren und keine Furcht zu zeigen. Ein weiterer alter Aberglaube besagt, dass man das ganze Jahr über keine Geldnot leidet wenn man am Gründonnerstag Brennnesseln isst. Und zum Johannistag war es lange Zeit Tradition aus Brennnesseln zubereitete Pfannkuchen zu essen um gegen Nixen und Elfenzauber gewappnet zu sein.

Heilkunde

Schon der berühmte Arzt Paracelsus empfahl Brennnesselsaft bei Gelbsucht.

Denn die Brennnessel besticht durch ihre vielen gesunden Inhaltsstoffe. Dazu zählen u.a. Kalium, Calcium, Kiesel-, Ameisen- und Essigsäure, Histamin, Serotonin, Flavonoide, Karotinoide, Eisen und Vitamin E.

Ihre heilende Wirkung bei Arthrose, Arthritis, Prostatabeschwerden, Blasenproblemen und entzündlichen Darmerkrankungen ist inzwischen wissenschaftlich erwiesen. Sogar ihre Samen helfen bei Haarausfall und zur Steigerung der Vitalität.

Des weiteren kann sie bei Gicht, Rheuma, Menstruationsbeschwerden, Frühjahrsmüdigkeit, Verstopfung, Nierenschwäche und Bluthochdruck helfen. Früher war es gang und gäbe von Rheuma geplagte Patienten mit Brennnesselbüscheln zu schlagen oder ihnen Brennnesselhemden anzuziehen. Klingt für uns schon fast brutal aber es war effektiv und half.

Sie wird in der Volksheilkunde auch besonders für Frühjahrskuren empfohlen weil sie entgiftet und entschlackt. Ihr Eisengehalt liegt übrigens drei- bis viermal so hoch wie bei einem Rindersteak und enthält dreimal so viel Eisen wie Spinat.

Verwendung in der Küche

Die Brennnessel lässt sich zu unglaublich vielen leckeren und gesunden Gerichten verarbeiten. Ihre Samen kannst Du trocknen und z.B. mit in den Salat oder auch Deinen Joghurt geben. Die Blätter verfeinern z.B. Kartoffelpürree, Smoothies oder auch selbstgebackenes Brot. Tee, Suppe, Gratin, Panade, Nudeln…die Liste ließe sich noch lange so fortsetzen.

Wenn Du neugierig bist und Lust hast etwas davon in Deiner Küche auszuprobieren empfehle ich Dir mein Rezept für Brennnesselschnitzel. Das findest Du hier.

Wusstest Du schon, dass…

…bereits vor Jahrtausenden Stoff aus der Brennnessel gewonnen wurde? Ende des 19. Jahrhunderts besann man sich darauf zurück weil Baumwolle knapp war. Um 1900 dagegen galt die aus Brennnesseln gewonnene Faser als „Leinen der armen Leute“. Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Uniformen der deutschen Soldaten zum Teil aus Nesseltuch hergestellt.

Wenn Du Dich also das nächste Mal über Brennnesseln ärgerst, erinnere Dich vielleicht an ihre guten Seiten und gestehe ihr ein Eck in Deinem Garten zu.


Hättest Du gedacht, dass so viel Gutes in der Brennnessel steckt? Welche Erfahrungen hast Du mit ihr gemacht? Erzähl es mir in den Kommentaren!

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