Ein „Unkraut“ stellt sich vor – Giersch

Der Giersch genießt, besonders unter Gärtnern, keinen guten Ruf. Weil er sich schwer bekämpfen lässt gilt er als lästiges Unkraut und wird manchmal sogar als Gärtnerschreck bezeichnet. Seine ursprüngliche Heimat liegt in Europa, West-Asien und Nordamerika. Außerdem trifft man ihn auch in Auwäldern, Hecken und eben Gärten an wo er gerne den Unmut der Gärtner erregt. Dabei kann er auf eine Geschichte zurückblicken die sich schon ab dem Mittelalter nachweisen lässt. Und damals wussten ihn die Menschen ganz anders zu schätzen als wir heutzutage. Werfen wir einen Blick zurück…

Geschichte

Zur Zeit des Mittelalters war der Giersch als Wildgemüse eine Bereicherung der heimischen Küche. Besonders in Bauerngärten und Klöstern hatte der Giersch als willkommene Nutzpflanze seinen festen Platz. Dass er über das Jahr relativ lang verfügbar war ließ ihn in der Gunst der Menschen zusätzlich steigen. Und weil er eines der ersten Wildgemüse im zeitigen Frühjahr war, konnte er die Menschen nach den langen und anstrengenden Wintern mit wertvollen Vitaminen und Mineralstoffen versorgen. Im alten Rom war der Giersch eine wertvolle Nahrungsquelle für die Soldaten. Aufgrund seiner Blattform gab der Volksmund ihm weitere Namen wie Geißfuß, Ziegenfuß und Ziegenkraut. Aber auch als Zipperleinkraut, Wiesenholler und Sankt-Gerhardskraut (er ist dem heiligen Gerhard gewidmet) kannte man ihn.  Diese Namen verdankt er seinen gesunden Inhaltsstoffen die wir uns gleich noch genauer angesehen.

Aberglaube

Pfarrer Künzle empfahl Rheumatikern, die Blätter des Giersch in die Schuhe zu legen. Ob das tatsächlich geholfen hat kann man heute aufgrund fehlender Überlieferung nicht sagen. Nicolas Culpeper schrieb Mitte des 17. Jahrhunderts die Schmerzen der Gicht würden schon dadurch gelindert wenn man den Giersch nur bei sich tragen würde.

Heilkunde

Wenn die Menschen das „Unkraut“ nicht nur ausreißen, sondern einfach aufessen würden, wären sie es nicht nur los, sondern würden auch noch gesund.

– Johann Künzle

Der Giersch hat einiges zu bieten! So gilt er beispielsweise als Vitamin C Kraut denn davon enthält er 15x so viel wie Kopfsalat und 4x so viel wie eine Zitrone. Außerdem kann er mit besonders viel Kalium, Magnesium, Calcium, Mangan, Zink, Kupfer, Vitamin A, Eiweiß und sekundäre Pflanzenstoffen punkten. Außerdem wirkt er harntreibend, krampflösend, entzündungshemmend, antibakteriell und entsäuernd. Sein botanischer Name ‚Aegopodium podagraria‘ verrät seine frühere Anwendung bei Podagra was so viel bedeutet wie ‚Gicht der großen Zehe‘. Darüber hinaus leitet sich der Name von den griechischen Wörtern ‚aigeos‘ (Ziege) und ‚pouspodos‘ (Fuß) ab was ein Hinweis auf seine ziegenfußförmigen Blätter ist. Der Giersch kann auch bei alltäglichen Dingen wie Sonnenbrand oder Insektenstichen mit einem Brei aus seinen Blättern gut Abhilfe schaffen. Im Mittelalter wurde er nicht nur bei Gicht sondern auch bei Ischiasschmerzen, Arthritis, Rheumatismus und Herzgefäßbeschwerden verwendet.

Verwendung in der Küche

Inzwischen erfreut sich der Giersch zunehmender Beliebtheit als gesundes Frühjahrskraut in der Wildkräuterküche. Besonders als Teil einer blutreinigenden und entschlackenden Kur wird er geschätzt. Sein Geschmack erinnert an den der Petersilie und seine jungen Blätter machen sich sehr gut in Salaten, Kräuterquark, Kräuterbutter, in Dips und Suppen. Im Sommer lässt sich aus seinen Blättern oder auch den Blüten eine erfrischende, sommerliche Kräuterlimonade herstellen. Die älteren Blätter eignen sich auch gut als Spinatersatz oder Brotaufstrich. Du siehst also – wie viele andere „Unkräuter“ auch ist der Giersch ein wertvolles, gesundes und vielseitiges Wildgemüse.

Du kannst ihn leicht an seinem dreikantigen Stiel erkennen. Außerdem duften seine Blätter beim Zerreiben nach Möhren.

Wenn Du den Giersch also in Deinem Garten stehen hast und Dich über ihn ärgerst weißt Du jetzt was Du in Zukunft stattdessen mit ihm machen kannst.

Wichtiger Hinweis: Bitte beachte, dass mein Wissen keinen Besuch beim Arzt ersetzt! Falls Du ernsthafte oder unklare Beschwerden hast, nimm unbedingt ärztliche Hilfe in Anspruch!


Welche Erfahrungen hast Du schon mit dem Giersch gemacht? Hättest Du vermutet, dass er so vielseitig ist? Verrate es mir gerne in den Kommentaren!

 

 

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5 Kommentare

  1. Marlis Kühne

    Ich kenne Girsch seit langem, denn er macht sich in meinem Garten breit. Auch kenne ich seine sehr guten Eigenschaften – aber essen mag ich ihn nicht. Ich habe schon einiges ausprobiert, aber immer wieder stößt mich sein ausgeprägt bitterer Geschmack ab. Kann man den irgendwie mildern, denn dann wäre es mir sehr willkommen.

    • Elisabeth

      Hallo Marlis,

      nur die ganz jungen Blätter nehmen, also die, die noch glänzen. Und nur bis zur Blüte.

  2. Liebe Marlis,

    eigentlich schmeckt der Giersch der Petersilie nicht ganz unähnlich.
    Worauf Du aber mal achten kannst: Je älter die Blätter sind desto intensiver und strenger ist ihr Geschmack. Deshalb verwendet man die entweder als Aufguss für Tee oder gekocht wie Spinat. Außerdem enthalten die Stiele besonders viel Kumarin das für den bitteren Geschmack verantwortlich ist. Probiere es im Frühjahr einfach mal mit den jungen und zarten Blättern.

    Liebe Grüße
    Manu

  3. Hallo…ich hab extra ein Beet mit Giersch angelegt, auch eins mit Vogelmiere und eins mit Löwenzahn, sehr zur Verwunderung meiner Nachbarn.
    Und dieses Jahr kommen weitere Kräuterbeete hinzu.

    Ich denke, hier bekomme ich noch ein paar Anregungen.
    Gruß vom Wald-Pauli

    • Hallo Gottlieb!

      Das glaube ich gerne, dass Deine Nachbarn verwundert sind.
      Super, dass diese Wildkräuter bei Dir wachsen dürfen. Wofür verwendest Du sie denn?
      Schön, dass Du hergefunden hast!

      Liebe Grüße
      Manu

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