Insektensterben – Was Du tun kannst

Noch vor wenigen Wochen war in allen Zeitungen vom dramatischen Insektensterben zu lesen. Tagelang begegnete einem das Thema ständig und überall. Doch wer redet jetzt noch darüber? Dabei hat es nichts von seiner Brisanz verloren. Ich gehe dem Insektensterben hier auf den Grund. Lass uns mit der offensichtlichsten Frage anfangen: warum dieses massenhafte sterben der für die Natur und damit für uns so wichtigen Insekten?

Ursachen

Obwohl die Vermutung nahe liegt können der Klimawandel und besonders kalte oder warme Winter laut NABU ausgeschlossen werden. Andere Quellen sagen der Klimawandel trage sehr wohl seinen Teil dazu bei genauso wie die Bebauung und damit Zerstörung von Lebensräumen. Ich persönlich glaube das viele Faktoren hineinspielen und alle zusammen das Insektensterben begünstigen. Hauptgrund scheint allerdings eine weitreichende Vergiftung der Insekten zu sein wie zahlreiche Studien der letzten Jahre und Jahrzehnte untermauern. Und wieder einmal wird in diesem Zusammenhang die industrialisierte Landwirtschaft mit ihren Monokulturen genannt die keine Nahrungs- und Nistmöglichkeiten bietet. Seit Mitte der 1990er werden dort außerdem zunehmend Neonicotinoide (=Insektizide) eingesetzt die fatale Folgen für Insekten wie Bienen, Hummeln und Schmetterlinge haben.

Der Biologe Josef Settle dazu:

Es gibt vermutlich einen ganzen Strauß von Gründen. Als Erstes wird häufig der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft genannt. Andere Faktoren sind Monokulturen im Agrarbereich, der Verlust von Hecken und Randstreifen auf den Feldern. Hinein spielt aber vielleicht auch der Klimawandel. Das Dilemma ist, es gibt wahrscheinlich nicht einen Grund. Der Klimawandel wird sich mittelfristig sicher spürbar auswirken, kann aktuell lokale Phänomene aber nur in seltenen Fällen gut erklären.

 

Folgen

Auch hier hat Josef Settle Folgendes zu sagen:

Der Rückgang scheint sich nicht auf bestimmte Insektengruppen zu beschränken. Es trifft praktisch alle sowohl die direkt sich von Pflanzen ernährenden, also zum Beispiel Schmetterlinge oder Blattkäfer, als auch die von diesen lebenden Räuber, wie etwa Libellen, und vermutlich auch Parasiten. Über die Pollenaufnahme sind auch Honigbienen und Wildbienen wie Hummeln betroffen. Die Bestäuber sind also auch berührt. Über das Bienensterben wurde schon häufiger berichtet. Auch Neonicotinoide spielen dabei eine kritische Rolle.

Verschwinden die Insekten vollkommen sind die Folgen katastrophal. Sie sind ein unersetzliches Glied in der Nahrungskette und sie sind essentiell für unser eigenes Überleben. Außerdem stellen Insekten die Nahrungsgrundlage für eine Vielzahl von anderen Tieren wie Vögeln, Säugetieren und Reptilien dar. Sie zersetzen Aas, Totholz und Kot. Die Natur braucht Insekten damit Humus entsteht, damit die Böden fruchtbar bleiben und die Pflanzen bestäubt werden.

Krasses Beispiel hierbei: In Nordrhein-Westfalen sind die Bestände von Bienen, Schmetterlingen und Schwebfliegen in den letzten 17 Jahren um etwa 80 % (!) zurückgegangen.

Wenn die Pflanzen nicht mehr bestäubt werden gäbe es die meisten Früchte und Gemüse nicht länger. Auch zahlreiche Blumen würden verschwinden. Das massive Insektensterben ist auch eine massive Bedrohung für unsere Nahrung.

Der Deutsche Bauernverband wiegelt das Ganze ab und besteht auf weiteren (und sicherlich nützlichen) Untersuchungen. Dass in der Politik zu diesem Thema nicht viel passiert dürfte kaum verwundern. Wie immer geht es um den Profit und Subventionen in Millionenhöhe. Aber am Ende nützt alles Geld der Welt nichts mehr. Aber auch wenn das erst einmal recht düstere Aussichten sind kannst Du sofort damit anfangen das Insektensterben aufzuhalten.

Genau Du, genau hier, genau jetzt.

Werde aktiv!

#1 Verzichte auf Insektizide!

Insektizide (=Insektenbekämpfungsmittel) töten alle Insekten. Völlig egal ob es sich dabei um Schädlinge oder Nützlinge handelt. Mit Deinem Verzicht darauf leistet Du den Insekten einen unschätzbar wertvollen Dienst. Gärtnern ist auch ohne Pestizide möglich!

#2 Schaffe in Deinem Garten oder auf Deinem Balkon Nisthilfen!

Nisthilfen kannst Du selbst basteln oder ganz einfach auf Insektenhotels zurückgreifen. Das bietet den Insekten Unterschlupf und vor allen Dingen einen geschützten Nistplatz.

#3 Verwende pflanzenbasierte Dünger

Künstliche Dünger sind für Insekten (ebenso wie Pestizide) schädlich.

#4 Futterpflanzen für Schmetterlinge

Dazu zählen z.B. Wundklee, wilde Möhre, Borretsch, Sommerflieder, Riesenbärenklau, Kanadische Goldrute, Kronwicke, und, und, und. Sie bieten den Schmetterlingen reichlich Nektar.

#5 Pflanze einheimische Stauden und Büsche

Die Evolution hat Insekten und regionale Pflanzen sehr gut aufeinander abgestimmt. Fremde Pflanzen können von viel weniger Insekten bestäubt werden als einheimische. Ein Beispiel: Der amerikanische Scharlachdorn ernährt in Deutschland lediglich zwei Vogelarten, der einheimische Weißdorn dagegen 32.

#6 Säe Wildblumen!

Du bekommst überall im Handel Wildblumenmischungen. Und dafür reicht schon der Balkonkasten aus. Außerdem sieht es toll aus und die Insekten werden es Dir danken.

#7 Lass das Herbstlaub an bestimmten Stellen im Garten liegen

Such Dir eine kleine Ecke im Garten wo Du Laub und Totholz einfach liegen lässt. Das ist ein Paradies für (unter anderem) viele Käfer, Schlupfwespen und Ameisen. Sie beschädigen weder Bäume noch Sträucher. Für sie ist lediglich das Totholz interessant.

#8 Lege eine Totholzhecke an!

Wie genau das geht erfährst Du hier.

#9 Lass bestimmte Ecken im Garten einfach in Ruhe

Das mag Dir vielleicht schwer fallen aber damit tust Du den Insekten einen großen Gefallen. Dort werden sich von alleine Nahrungspflanzen wie der Beifuß ansiedeln der von rund 135 (!) unterschiedlichen Insekten besucht wird.

#10 Insektenfreundliche Pflanzen

Der Biologe Jürgen Tautz dazu:

Schmeißt die Geranien vom Balkon! Was schön aussieht, ist nicht immer gut für Insekten. Geranien liefern weder Pollen noch Nektar.

Zu diesen Pflanzen zählen neben Geranien auch Züchtungen wie bestimmte Rosen, Astern, Chrysanthemen, Dahlien, Nelken, Pfingstrosen oder Kamelien.

Du hast die Macht, etwas zu verändern.

Genau Du, genau hier, genau jetzt.


Was denkst Du über das Insektensterben? Hast Du weitere Ideen zum Aktiv-werden? Verrate es mir in den Kommentaren!

 

1 Kommentare

  1. Pingback: Pflanzen für Bienen, Schmetterlinge & Co - eine Übersicht - Urgewächse

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