Auf gute Nachbarschaft? – Mischkultur im Garten

Besonders in Deutschland liest man häufiger von Nachbarschaftsstreitereien die teilweise völlig aus dem Ruder laufen und vor Gericht enden. Schlechte Nachbarn gibt es aber durchaus nicht nur unter Menschen sondern auch bei den Pflanzen im Gemüse- und Kräuterbeet. Während es Pflanzen gibt die sich gegenseitig helfen gibt es auch genug die einander ganz und gar nicht leiden können. Aber fangen wir von vorne an.

Mischkultur und Zwischenkultur – was ist das überhaupt?

Wenn Du danach googelst spuckt Dir das Internet folgende knappe Definition aus:

Mischkultur: der Anbau verschiedener Nutzpflanzen auf einem Feld

Das trifft die Sache aber nicht ganz auf den Punkt. Bei der Mischkultur (auch Pflanzengesellschaft genannt) geht es genauer gesagt darum verschiedene Nutz- und Zierpflanzen anzubauen die sich gegenseitig helfen und positiv bei Dingen wie dem Wachstum, der Gesundheit und dem Ertrag beeinflussen. Man könnte also sagen die Mischkultur ist das gesunde und ökologische Gegenteil der Monokultur.

Dann gibt es da aber noch die Zwischenkultur. Sie ist im Prinzip dasselbe wie eine Mischkultur. Der Unterschied zwischen beiden ist der, dass die Pflanzen bei der Zwischenkultur in Reihen nebeneinander angebaut werden. Bei der Mischkultur dagegen wachsen verschiedene Pflanzen in derselben Reihe.

Mischkultur und ihre Geschichte

Schon das alte Volk der Maya baute ihr Gemüse vor Jahrhunderten in Mischkultur an. Sie pflanzten Mais, Bohnen und Kürbisse gemeinsam an. Deshalb kennt man diese Kombination auch unter der Bezeichnung „Die drei Schwestern“. Sie sind ein schönes Beispiel dafür wie sich Pflanzen gegenseitig helfen können. Ich erkläre es Dir konkret an den „drei Schwestern“.

Die Bohnen ranken am Mais hoch und reichern den Boden mit Stickstoff an. Die Wurzeln der beiden Pflanzen kommen sich dabei nicht in die Quere weil der Mais ein Flach- und die Bohne ein Tiefwurzler ist. Der Kürbis perfektioniert diese Gemeinschaft weil er mit seinen großen Blättern den Boden beschattet und ihn dadurch z.B. vor Austrocknung schützt. Und noch dazu unterdrückt er andere Pflanzen die dort nicht wachsen sollen. Manch einer würde jetzt von Unkraut sprechen aber wir wissen ja, dass es das nicht gibt.

Heutzutage ist die Mischkultur besonders im Bio-Anbau und bei Demeter anzutreffen. Immer häufiger findet man sie inzwischen aber auch in normalen Hausgärten. Zum Glück!

Welche Vorteile hat die Mischkultur?

#1 Krankheiten und Schädlingen wird vorgebeugt

Krankheiten und Schädlinge haben es besonders bei Monokulturen einfach sich massenhaft auszubreiten. Bei der Mischkultur wird das durch die unterschiedlichen Pflanzen verhindert. Wird beispielsweise ein Kopfsalat von Läusen befallen behindert z.B. die Zwiebel als Nachbarin die „Wanderung“ der Schädlinge zum nächsten Kopfsalat. Noch dazu gibt es Kräuter wie die Eberraute die ihres Geruches wegen abschreckend auf Schädlinge wirkt und sie so fernhält. Davon profitieren ihre pflanzlichen Nachbarn.

#2 Erosionsschutz des Bodens

Wenn der Boden „offen“ liegt wird über kurz oder lang viel Erde durch Witterungen wie Regen und Wind abgetragen. Das nennt man Bodenerosion. Pflanzen wie der Kürbis verhindern das da sie die Erde dicht bewachsen.

#3 Windschutz durch große Pflanzen (Mais)

Große Pflanzen wie Mais oder Sonnenblumen können in einem Mischbeet als Windschutz für ihre kleinen pflanzlichen Nachbarn dienen die Wind gegenüber anfällig sind.

#4 Platzsparend

Unterschiedliche Pflanzen haben unterschiedliche Wurzeltiefen. Das bedeutet sie verbrauchen in unterschiedlichen Bodenschichten Nährstoffe. Deshalb kannst Du viele verschiedene Gemüsearten auf einem Mischbeet anbauen ohne das sie um die Nährstoffe konkurrieren.

#5 Bodenmüdigkeit wird vorgebeugt

Dasselbe Prinzip wie eben. Weil sich auf einem Mischbeet viele verschiedene Pflanzen mit unterschiedlichen Nährstoffansprüchen tummeln wird der Boden nicht einseitig beansprucht und daher ausgelaugt wie das bei Monokulturen der Fall ist.

#6 Pflanzen helfen sich gegenseitig

Wie Du den bereits genannten Vorteilen entnehmen kannst helfen sich die Pflanzen im Mischbeet oft auf ganz verschiedene Weise. Definitiv ein unschlagbares Argument für die Mischkultur!

Aber natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt. Deshalb beleuchte ich auch gleich die Schattenseiten der Mischkultur. Aber Du wirst sehen die Liste ist sehr viel kürzer…

Welche Nachteile gibt es?

#1 Nicht alle Pflanzen lassen sich miteinander kombinieren

Es ist sicher zeitintensiver sich hinzusetzen und einen Plan auszuarbeiten wie genau Du Dein Beet unter Berücksichtigung der (Un)verträglichkeiten bepflanzen kannst und willst. Dabei kann es natürlich vorkommen, dass genannte (Un)verträglichkeiten unter den Pflanzen Dir einen Strich durch die Rechnung machen was Deine Beetplanung angeht.

#2 Manche Pflanzen sind besonders anfällig für Krankheiten und Schädlinge

Ein Beispiel dafür wäre die Möhre mit der Möhrenfliege oder der Kohlweißling bei den Kohlarten. Dadurch können natürlich auch alle anderen Pflanzen in Mitleidenschaft gezogen werden. Ich denke allerdings, dass es kein Gartenbeet gibt in dem nie irgendwelche Krankheiten oder Schädlinge auftauchen. Frühzeitig erkannt gibt es immer Behandlungsmöglichkeiten.

Gute und schlechte Nachbarn – wer kann mit wem?

Hier einmal eine kleine Auswahl an Beispielen welche Pflanzen sich gut miteinander vertragen und welche nicht:

Blumenkohl

Passt: Buschbohnen, Endivien, Erbsen, Gurken, Rote Bete, Sellerie, Spinat

Passt nicht: Kartoffeln, Kohl, Knoblauch, Rhabarber, Poree, Schnittlauch, Zwiebeln

Bohnenkraut

Passt: Buschbohnen, Kopf- und Pflücksalat, Rote Bete

Dill

Passt: Buschbohnen, Erbsen, Gurken, Kohl, Möhren, Zwiebeln, Rote Bete, Kopf- und Pflücksalat

Erdbeeren

Passt: Borretsch, Buschbohnen, Knoblauch, Kopfsalat, Lauch, Radieschen, Rettich, Schnittlauch, Spinat, Zwiebeln

Passt nicht: Kohl

Gurken

Passt: Bohnen, Dill, Erbsen, Fenchel, Kohl, Kopfsalat, Kümmel, Lauch, Rote Bete, Sellerie, Zwiebel

Passt nicht: Kartoffeln, Radieschen, Rettich, Tomaten

Kartoffeln

Passt: Dicke Bohnen, Knoblauch,Kohlrabi, Spinat

Passt nicht: Erbsen, Gurken, Kohl, Rote Bete, Sellerie, Tomaten, Zwiebeln

Kopfsalat

Passt: Buschbohnen, Bohnenkraut, Dill, Erbsen, Erdbeeren, Gurken, Kohl, Kohlrabi, Lauch, Möhren, Radieschen, Rettich, Rhabarber, Rote Bete, Schwarzwurzeln, Stangenbohnen, Tomaten, Zwiebeln

Passt nicht: Petersilie, Sellerie

Paprika

Passt: Gurken, Kohl, Möhren, Tomaten

Passt nicht: Erbsen, Fenchel, Rote Bete

Tomaten

Passt: Buschbohnen, Knoblauch, Kohl, Kohlrabi, Kopf- und Pflücksalat, Paprika, Petersilie, Sellerie, Spinat, Zucchini

Passt nicht: Erbsen, Fenchel, Gurken, Kartoffeln

Du siehst also – die Vorteile überwiegen die Nachteile. Trotzdem bleibt es natürlich eine persönliche Entscheidung ob Du die Mischkultur dauerhaft in Deinem Garten anwenden möchtest. Ausprobieren lohnt sich aber auf jeden Fall!


Wie steht es mit Dir? Bist Du Pro oder Contra Mischkultur? Oder hast Du es noch gar nicht ausprobiert? Hinterlasse mir dazu gerne einen Kommentar!

 

 

 

 

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