Warum ich über Urgewächse schreibe

Ich bin auf einem landwirtschaftlichen Hof aufgewachsen. Mit der ganzen Familie Kartoffeln zu ernten oder die Kräuter für den Salat aus dem Garten zu holen war für mich ganz normal.

Wenn man mich in der Schule gefragt hat was ich später einmal werden möchte war die Antwort entweder Detektivin oder Gärtnerin.

Letztlich bin ich im Gemüsebeet gelandet und dankbar dafür.

Noch vor meiner Ausbildung bin ich, wie fast jeder, in den Supermarkt gegangen und habe dort mein Gemüse gekauft. Wie gut Tomaten, Gurken, Paprika und dergleichen mehr aber eigentlich wirklich schmecken habe ich erst herausgefunden als ich in einem Demeter Gemüsebaubetrieb gearbeitet habe. Seitdem kann ich über das sogenannte, doppelt und dreifach in Plastik verpackte „Gemüse“ im Supermarkt nur noch müde lächeln.

Ich verspreche Dir eines – wenn Du einmal richtiges Gemüse gegessen hast möchtest Du nie wieder etwas anderes.

Es gibt zahllose gute Gründe warum wir uns darum bemühen sollten die Sortenvielfalt zu erhalten. Wer sagt denn das Tomaten nur rot oder Karotten nur orange sein dürfen? Tatsache ist nur, dass sich nach und nach die ertragreichsten und am leichtesten zu kultivierenden Sorten durchsetzten und alte Schätze, die Du vielleicht auch noch aus Omas Garten kennst, verdrängten.

Dabei gibt es so viel zu entdecken!

Kennst Du Zitronen- und Bittergurken? Tomatensorten wie das Taubenherz, die Silbertanne und Green Giant? Haferwurzel? Giersch, Brennnessel und Huflattich?

Wusstest Du das Gurken, wenn man sie schon einigen Tagen oder einer Woche pflückt, herrlich süß schmecken und hervorragend zu jedem Brotaufstrich passen?

Erntezeit ist immer auch Schlemmerzeit.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wir (und ich schließe mich dabei auf keinen Fall aus) uns inzwischen so sehr daran gewöhnt haben das alles, immer, überall, jederzeit und im Überfluss verfügbar ist das sich viele von uns gar keine Gedanken mehr über die Lebensmittel an sich machen. Das ist schade.

Ein Klassiker sind dabei nach wie vor Erdbeeren im Dezember. Ich habe richtige, saisonale, regionale Erdbeeren gegessen und das was Du im Dezember im Supermarkt kaufen kannst kann man damit nicht mal im Ansatz vergleichen.

Ich esse seit Jahren keine Erdbeeren mehr außerhalb der Saison, genieße sie dafür aber umso mehr währenddessen und schlage mir den Bauch voll.

Bild könnte enthalten: 1 Person, Frucht, Essen und Innenbereich

(Unter uns: Es gibt fast nichts Besseres!)

Als Gärtnerin habe ich (trotz relativ weniger Berufsjahre) einiges gesehen was mich den Kopf schütteln ließ.

Zum Beispiel meine erste Gurkenernte.

Wir hatten mehrere tausend Pflanzen in zwei Gewächshäusern über Monate kultiviert.

Es steckte wirklich viel Arbeit dahinter.

Und dann kam die Ernte.

Krumme Gurken.

Kleine Gurken die bereits anfingen krumm zu wachsen.

Zu große Gurken die die Gewichtsklassen übertrafen.

Gurken mit gelben Flecken.

Gurken die eingedellt waren.

Sie alle mussten wir wegwerfen.

Obwohl man sie zumindest noch als zweitklassige Ware hätte verkaufen können. Aber dies wäre im wirtschaftlichen Sinne nicht profitabel gewesen und daher…

Viel zu wenigen Menschen da draußen ist wirklich bewusst wieviel Arbeit nötig ist bis das Gemüse im Supermarkt liegt oder in Kisten auf dem Bauernmarkt.

Das ist einer von vielen Gründen warum ich dieses Herzensprojekt ins Leben gerufen habe.

Ich möchte Dir aufzeigen wie unglaublich vielfältig Gemüse und Kräuter sein können. Ich möchte wieder ein Bewusstsein für diese Lebensmittel schaffen und Dich animieren selbst zu Gartenschaufel und Samen zu greifen.

Und glaube mir – das was Du selbst angebaut hast wertschätzt Du ganz anders und noch dazu schmeckt es viel besser!

Auch deshalb wird weniger davon im Biomüll oder auf dem Kompost landen und Du wirst entdecken, dass Du mehr davon verwenden kannst als Du bislang wusstest.

Ich freue mich wirklich sehr das Du hier bist.

Auf ein buntes Jahr mit jeder Menge pflanzlichen Neuentdeckungen!


 

Bist Du schon mit dem Thema Sortenvielfalt in Berührung gekommen? Was denkst Du darüber? Ich bin gespannt auf Deinen Kommentar!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4 Kommentare

  1. Liebe Manu,
    vielen Dank für deine großartige Arbeit. Ich liebe deine Einstellung und finde mich in dem, was du sagst wieder.

    Ich bemühe mich möglichst regional, und vor allem saisonal einzukaufen. Also lieber direkt vom Hof, denn Gemüse in Plastik mag ich auch nicht.

    Leider habe ich keinen eigenen Garten mehr, das ist aber auf jeden Fall ein Ziel von mir. Bis dahin verschlinge ich deine Artikel, probiere deine Rezepte und freue mich über deine Urgewächse.

    Ganz liebe Grüße Michaela

    • Hallo Michaela!

      Dankeschön für Dein Lob.
      Sehr gut! Du tust mit regionalem Gemüse ja nicht nur Dir etwas Gutes sondern auch den jeweiligen Betrieben. Der Gärtner der diese sagenhaft guten Erdbeeren angebaut hat musste am Ende seinen Betrieb aufgeben weil er keinen Nachfolger gefunden hat.

      Du musst gar keinen Garten haben um Urgewächse anzubauen. Dazu kommt bald mehr auf dem Blog!

      Liebe Grüße,
      Manu

  2. Hallo liebe Manu,

    das ist ein wirklich tolles Projekt, was Du hier ins Leben gerufen hast! Ich bin schon dolle gespannt auf mehr!

    Ganz besonders zum Thema „Du musst gar keinen Garten haben, um Urgewächse anzubauen“ (Kommentar weiter oben).

    Alles Liebe,
    Lisa

    • Hi Lisa,

      dankeschön! Ja, langsam aber sicher wird sich der Blog füllen. Und nicht nur er.
      Der nächste Artikel wird sich übrigens um genau dieses Thema drehen. Es bleibt spannend!

      Liebe Grüße,
      Manu

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